Zwolle – Emden in hindsight

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Holland im Mai- Die Nachwehen

HabschnedScheiss die Wand an…oder auch “War eine  schöne Tour am Wochenende. Die Wettervorhersage vom Freitag prophezeite mit erhobenem Finger Regen und Gewitter ab Mittag. War aber nix, die beiden Etappen wurden bei bestem Wetter abgeknüppelt und meine Arme, Beine und Gesicht zeigen eine deutliche Rötung…verdammte Kacksonne. Was wäre Regen und peitschender Gegenwind doch schön gewesen. Zusammengefasst sieht das in etwa so aus…

Unna-Zwolle

Der Zugteil auf dem Weg nach Groningen war unspektakulär. Mal abgesehen davon, dass ausnahmsweise alle Verbindungen pünktlich waren und man in den Zügen mehr oder weniger Platz für das Rad hatte (im holländischen Regio von Almelo nach Zwolle war’s doch sehr knapp wie das Bild zeigt) ging das Umsteigen sehr entspannt. Könnte man öfters machen. Alles in allem hatte ich mir das aufwendiger vorgestellt, aber die Umsteigezeiten sind scheinbar das einzige, auf dass man Rücksicht nehmen muss bei der Planung. Von der umständlichen Bucherei des Fahrrad-Tickets für Reisen ins Ausland mal abgesehen alles ganz entspannt (und der Entdeckung des Wagenstandanzeigers auf dem Bahnsteig…).

In Zwolle gab es statt Regen, Blitz und Donner ganz angenehmes Wetter und Wind von hinten. Nichts wie rein in den Sattel und die ersten der 114km bis Groningen durch die Stadt geeiert. War jetzt nicht sonderlich prickelnd, aber irgendwie musst du die Stadt ja verlassen. Also Augen zu, durch bis zum bitteren Ende welches auch schnell erreicht wurde. Danach gab es viel Wasser rechts, viel grün links (das sollte sich am Sonntag noch ausgiebiger wiederholen) und eine gute Portion Radler in und aus allen möglichen Himmelsrichtungen. Die Radwege selbst waren überwiegend von feinster Qualität, die Ausreisser waren in der Kategorie “Eieieiei, auauau, eieiei!” einzuordnen. Rüttelte stellenweise ganz schön, war schon schwierig das Grolsch aufm Rad zu balancieren. Zig Ortschaften wurden recht zügig zu kleinen Punkten am Horizont. Zwischendurch mal den Getränkevorrat aufgestockt im Albert Heijn (in Dwingeloo) und stramm weiter geknüppelt.

Knapp hinter Dieverbrug gab es dann Knüppel aus dem Sack. In der Ferne wurde eine undefinierbare, rosa Masse am Horizont gesichtet. Aufgrund der Schwankungen war sofort klar: “Rennradfahrer”. Also den Kopf runter und zur Attacke gehustet. Auf einer Länge von 5.7km gab es nen 30.7km/h Schnitt, der reichte um mich langsam an den Renner ran zu saugen. Das rosa Trikot des Mädels auf dem Renner wurde langsam formatfüllender und kurz drauf war die Nummer auch gegessen. Nen Schüppchen druff gelegt und den Schnitt über die nächsten 2km auf 32.irgendwas gebolzt und weg war die Gute. Auf den nächsten 3km den Schnitt wieder runter, aber von hinten kam nix mehr hehe. Das war der kleine Zwischensprint zum Aufwärmen. Danach ganz entspannt weiter an Assen vorbei nach Groningen rein. So gute 4km vor Groningen gab es am Kanal ein paar Tröpfchen von oben, aber für die Kategorie “Regen” hat’s wirklich nicht gereicht.

Anfahrt B&B

In Groningen dachte ich, mich trifft der Blitz beim Scheissen. Das ist Hollands Antwort auf das viel geprisene Münster. Kaum drin im Zentrum ging es dann auch schon los. Rechts und links schossen Räder an einem vorbei, an Ampelkreuzungen hatten Räder aus allen 4 Richtungen gleichzeitig grün. Auf dem Radweg hinter einem Pizzalieferanten mit ihren Rollern die einem das Trommelfell aus den Ohren hupen damit der schmierige Teiglappen wenigsten noch lauwarm beim Kunden ankommt….Aaaaalter!! Blut und Wasser geschwitzt auf den ersten Metern durchs Zentrum. Schön auch die kurze Fahrt durch ne kleine Meile…für Fahrräder frei hehe. Da muss ich natürlich rein. Im Nachhinein wär ich schieben wohl schneller durchgekommen, aber wer absteigt bezahlt oder so.

Die Anfahrt zum B&B war ansonsten stressfrei, von einer Baustelle an einer Kreuzung über die ich das Rad schmuggeln musste. Keine Lust nochmal 3km Umweg zu fahren, also Rad untern Arm und zu Fuß an Löcher in die Luft guckenden Bauarbeitern vorbei auf die andere Seite. Paar Meter weiter ging es scharf rechts und das B&B war in Sicht. Von aussen allerdings nicht wirklich als solches zu erkennen, kein Schild mit den zwei Bs drauf, auch die Klingel war lediglich nen Knopf ohne alles. Mal stump geklingelt und siehe da…war richtig hehe. Zunächst gab es ne kurze Einweisung in die Gewohnheiten der Übernachtungsstätte, zwei Kaffee samt Keks gingen aufs Haus und dann wurde das Zimmer bezogen.

Klein aber gemütlich, die Dusche und Klo waren wieder gemäß Hundertwasser gestaltet. Schön bunt und verwinkelt…wenn du morgens aufstehst, die Augen kaum auf kriegst und in Richtung Dusche schaust dann kontrollierst du erstmal ob du nicht aus Versehen irgendwie auf nem LSD Trip gelandet bist. Scheisse war das grell hehe. Der Blick vom zimmereigenen Balkon war jetzt kein Panorama was man stundenlang bestaunen und beseufzen könnte. Hinterhofcharme a la Bronx aber halt zweckdienlich und gründlich. Trotz des “Ausblicks” kann ich das B&B für schlappe 40€ die Nacht aber dennoch wärmstens empfehlen. Kees und Joanne, beides sehr nette Leute die sich reichlich um einen kümmern. Service/Frühstück war ebenfalls vollkommen ok und sollte mich der Weg nochmal in die Ecke führen, dann darf ich gerne wieder kommen. Weiterer Pluspunkt ist, dass es vom B&B wirklich nur ein paar Meter bis zu ner Fressmeile sind, und die Wand der Köstlichkeiten ist auch ned allzuweit weg.

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4 Comments

    • Alkoholfreie Getränke waren ja auch im Angebot, Brot allein macht eben nicht glücklich. An der Fähre von Ditzum nach Petkum hab ich dann auch aufgegeben und mich auf nen alkoholfreies Fläschchen gestürzt :)

      Aber schick war die Tour allemal, bereue den spontanen Wechsel von Winterswijk als eigentliches Ziel zu Zwolle-Emden auf keinen Fall. Der Norden wird mich wohl demnächst öfters sehen, wir sprachen auf der Rückfahrt über ne Art “Insel-Hopping” mit dem Rad :D

    • Also ich hab meine Jahresration in den zwei Tagen zu mir genommen. Was trink ich jetzt auf der nächsten Tour?

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