Winterswijk – Rückblick

Winterswijk per Rad

HabschnedDie Radtour nach Winterswijk ist abgehakt, um kurz nach 17 Uhr wurde die heimische Couch wieder in Benutzung genommen und die Videos und Bilder gesichtet. Vorweg…die gewünschte Reise durch zugeschneite Landschaften wurde wahr. Eine zweitägige Radreise durch zugeschneite Landschaften hat was, wenn man von den wenigen negativen Aspekten mal absieht. Dazu aber gleich mehr, ich versuche mal den Verlauf der Tour hier festzuhalten inklusive einiger der besagten Bilder und Videos und am Ende gibt’s das Fazit (was auch sonst…).

Winterswijk – Die Hinfahrt

Es ging, wie geplant, am Samstag um 7 Uhr morgens los. Ich war schon recht zeitig wach, die Hunderunde wurde planmäßig (laut Plan des Hundes, nicht meinem) erledigt. Der Bengel will immer so gegen 5 in die freie Wildbahn, muss mal sehen ob der irgendwo ne Uhr im Fell versteckt vor mir. Also angezogen, die Natur betreten und über das kalte, aber trockene Wetter gefreut. Die Straßen waren frei, keine glatten Passagen auszumachen, kein Niederschlag über Nacht. Alles hervorragend. Nach der Hunderunde wurde das Rad mit allem Schnickschnack versehen (Oberrohrtasche, Lichtanlage, Navi, Action-Cam) und punkt 7 Uhr machte ich mich auf den Weg zum Treffpunkt am Preußenhafen in Lünen. Zwischen 5 Uhr, als ich nichtsahnend den Hund die Baumrinde gießen ließ, und 7 Uhr muss Frau Holle ihren kompletten Vorrat an Kissen verkloppt haben…oder die Kolumbianer haben ihre Überproduktion an Stoff gleichmäßig übers Land verteilt.

Es war…weiss. Alles voller Schnee, was vor 2 Stunden noch wie eine entspannte Radtour nach Holland aussah verwandelte sich in eine “Reich mal die Lebensversicherung, muss was gucken“-Reise. Die ersten Meter gingen noch ganz gut und der frische Schnee knirschte schön unter den Reifen. In Lanstrop auf einem Feldweg habe ich mir dann die ganze Nummer beinahe aus der Horizontalen begucken müssen. “Ist glatt wie Mist” sagte ich mir so innerlich, das Hinterrad bejahte und zeigte seine Zustimmung durch einen Ausbruch nach rechts. Ging aber gut, konnte mich auf halbem Weg nach unten noch abfangen.

Bis zum Preußenhafen wurde noch mehr gerutscht, und jedes sanfte Dahingleiten des Hinterrades steigerte die Vorfreude auf die Streckenabschnitte die noch vor mir lagen. Am Treffpunkt angekommen gab es dann leider schlechte Nachrichten. Der Mitradler aus der Grafschaft Mark war von Schnee und Eis so fasziniert, das er sich das ebenfalls im Liegen anschauen musste. Bedauerlicherweise kam es dabei zu einer leichten Verformung am Hinterrad und Gepäckträger. Nix ging mehr und er musste die Teilnahme leider absagen.

Also ging es allein weiter den Datteln-Hamm-Kanal entlang in Richtung Waltrop. Der Weg ist schon bei guten Bedingungen dank Spurrillen und Schlaglöchern mit Durchmessern eines mittleren Jupitermondes “bescheiden” zu fahren . Da sind Schlaglöcher bei, wenn du da rein rufst antwortet dir ein Australier. Wenn man jetzt zu diesen ohnehin rumpeligen Bedingungen noch 3-4cm Schnee und eine Prise Eis addiert, erhält man eine Strecke, die dem Sensemann vor Freude die Tränen in die Augen treibt weil er auf reichlich Arbeit spekulieren kann. Die Spurrillen, gefroren und rutschig, haben das Hinterrad diverse Male in alle Richtungen zucken lassen. Ich zuckte mit den Schultern und setzte den Weg unbeirrt fort. Einige Passagen wurden in diagonaler Ausrichtung des Rades genommen, andere Streckenabschnitte wurden freihändig gefahren (beide Hände vor der Brust zum Gebet gefalten).

Der Datteln-Hamm-Kanal war unfallfrei befahren worden, und es ging weiter den Wese-Datteln-Kanal entlang. War total baff als ich die ersten Kilometer am Wesel-Datteln-Kanal hinter mir hatte. Die Bedingugen waren denen bei trockenem Wetter recht ähnlich, nichts zu merken von heimtückisch plazierten Eisflächen und ähnlichen Überraschungen. Zumindest konnte auf dem Abschnitt zwischen Waltrop und Haltern am See dann ein wenig Zeit aufgeholt werden. Haltern wurde um 10:15 erreicht, und es gab einen Kaffee zum Aufwärmen während ich auf den letzten verbliebenen Mitradler wartete.

Vollgetankt mit dem flüssigen Schwarz wurde zu zweit der Rest der Strecke beradelt. Aus Haltern heraus ging es durch Die Haard und Hohe Mark, über den einen oder anderen Feldweg und diverse Abfahrten wurden ebenfalls problemlos genommen. Besonders hervorzuheben ein kleiner Waldweg, der unter “normalen Bedingungen” sicherlich bombastisch Spaß macht, aber mit Schnee und Eis zu der oben bereits erwähnten “Reich mal die Lebensversicherung” Kategorie gehört.  Hier und da wurde das eine oder andere unterm Schnee versteckte Schlagloch gefunden und die Hinterräder rutschten gelegentlich auch mal ein wenig durch die Gegend, aber “gefährlich” war die Fahrt nicht wirklich (wenn man jetzt mal vom plötzlichen Einbrechen auf gefrorenen Schlaglöchern absieht).

In Gemen gab es nochmal frischen, heissen Kaffee bevor wir das letzte Teilstück (rund 20km) fuhren. In Winterswijk wurde direkt das B&B angesteuert um mich anzumelden. Zimmer wurde besichtigt, Frühstücksbestellung aufgenommen und ab ging es auf der Suche nach etwas Nahrhaftem ins Stadtzenrum (welches recht überschaubar ist). Kurzer Fußmarsch durch die Fußgängerzone und schon waren Frietjes und Vleeskroketten organisiert, natürlich nicht ohne vorher noch einen Kaffee zu kippen im De Zwaan. Magen war halbvoll, und das B&B wurde wieder angesteuert um sich trocken zu legen und durchzuwärmen.

Diverse Kaffees und Tees später betraten wir die Eisbahn (Straßen waren mittlerweile wieder spiegelglatt) erneut  und machten uns noch zu einer kleinen Fototour im Dunklen auf, die für einige Lacher ob der Ergebnisse oder Klettereien auf eingefrorenen Brunnen sorgt.

Gegen 22 Uhr trennten sich unsere Wege, der Samstag war platt und die Nachtruhe wurde angetreten.

Winterswijk – Die Rückfahrt

Die Rückfahrt war um einiges entspannter als die Hinfahrt. Über Nacht hatte Tauwetter eingesetzt, und die am Vorabend noch arg rutschigen Straßen und Wege nahmen wieder befahrbare Formen an. Nach ausgiebigem Frühstück ging es dann um kurz nach 10 Uhr los mit Ziel Haltern am See. Das Tauwetter war leider langsamer als wir annahmen, und so waren die ersten paar Kilometer auf den Feldwegen doch noch….spannend. Kurz nach der grünen Grenze in Richtung Südlohn war es dann mit dem Eis auf den Wegen aber endgültig vorbei und wir konnten ordentlich Fahrt aufnehmen.

Dämlicherweise ist “Fahrt aufnehmen” in Verbindung mit Tauwetter eine eher suboptimale Idee. Die Fontänen, die durch die Reifen entstanden, verteilten sich wild in der Gegend. Und mit “wild in der Gegend” meine ich unsere Klamotten und Räder. Es dauerte nicht lange, bis man aussah wie ein frisch aus dem Ton gezogener Terrakotta-Krieger der zum Trocknen irgendwo hingehangen werden muss. Egal, gehört dazu und uns kannte in der Gegend ja eh keine Sau. Die Ortschaften flogen nur so an uns vorbei, der Wind kam aus Nordwest was ebenfalls sehr willkommen war und im Nullkommanix waren Südlohn, Ramsdorf, Knüverdarp und Bollengraben “besichtigt” und für unwert befunden worden. In Reken wurde dann der vorletzte Kaffee der Tour geschlürft sowie eine kurzfristige Änderung der Route festgelegt.

Der Mitfahrer wurde in Haltern abgeholt, und aus Zeitgründen haben wir dann die Strecke ein wenig “direkter” gestaltet als geplant war. Direkter heisst dann halt ein paar Kilometer Landstraße, ging aber immerhin schön bergab und wir konnten dank des extrem wenigen Verkehrs schön rollen lassen. Haltern…beim Bäcker…komme da rein, genau die gleichen Leute da wie am Samstag. Die Frage ob sie da geschlafen haben wurde von allen Verdächtigen verneint, ich glaubte es aber nicht. Also Bonus gab es noch einen älteren Herren, der uns was von seinem abgebrochenden Fußnagel am linken großen Zeh erzählte…warum machen Leute sowas?

Egal, ich hab mich dann so gegen 14 Uhr verabschiedet und bin auf die letzte Etappe von Haltern zur Couch gegangen. Sportliche 43 Kilometer standen noch auf dem Programm, und diese 43 Kilometer sollten die dreckigsten der gesamten Tour werden. Was am Samstag an den beiden Kanälen auf der Hinfahrt noch eine prächtige Winterlandschaft war hatte sich, dank des Tauwetters, in etwas verwandelt was ich mal so als 32 Kilometer Lange Fango-/Schlammpackung beschreiben möchte. Egal wie schnell, egal ob rechts oder links auf dem Weg…wo man auch fuhr spritzte der Pamp an einem hoch. Man wurde zwar gleichmäßig braun, hielt aber nicht lange die Bräune. Dafür war aber genug Bräunungsmittel vorhanden und man konnte immer wieder Bräune nachlegen.

Dementsprechend getönt wurde der Preußenhafen erreicht, wo es…wie nicht anders zu erwarten…einen Kaffee und Fettstäbchen, Phospatstange und Schlamm als Stärkung für die letzten Meter gab. Freundlich winkend kam ein Herr gesetzten Alters auf mich zu, schwenkte seine Bierflasche in wilder Manier und fragte wo ich denn lang gefahren sei. Ich zeigte nur stumm aufs Wasser, und wandte mich wieder der Currywurst zu. Kaffee leergeschlürft, dem Flaschenwedler noch den Daumen gezeigt beim Losfahren und dann ab Richtung Heimat. Nach guten 100 Kilometern war das Ziel erreicht, das Rad wurde im Garten kurz beschlaucht um den groben Dreck zu entfernen. Feinwäsche gibt’s morgen hehe…wird was dauern bis ich den Pamp da weg habe.

Zahlen, Videos, Schnickschnack

Zum Abschluss noch ein paar Infos zu den Routen, zum B&B und ein paar Videos von unterwegs die einen Eindruck über as Winterwunderland, durch das wir uns geschunden haben, vermitteln. Die Hinfahrt bis zum B&B zog sich ganze 93,3 Kilometer durch den Schnee und wurde in guten 5.5 Stunden Fahrzeit erledigt. Angesichts der doch recht widrigen Bedingungen, und Passagen die man eher schleichen als fahren musste, gibt es da mal überhaupt nichts dran zu mäkeln.

Die Rückfahrt hatte noch einen kleinen Schlenker drin, da ich mir die Gran Fondo Challenge auf Strava (100km oder mehr auf einer Fahrt) noch eben einverleiben wollte. So wurde dann, anstatt direkt an den Kanälen lang, hinter Waltrop der Weg Richtung alte Lippeaue eingeschlagen. Der “Umweg” hat sich gelohnt, die Gran Fondo Challenge für Januar ist im Sack. Zeitmäßig waren es für die guten 100 Kilometer ebenfalls um die 5.5 Stunden.

Gesamtstrecke mit Fahrten durch die Innenstad waren dann an diesem Wochenende gute 200 Kilometer, und jeder Kilometer war im Nachhinein doch recht spaßig. Von der Streckenplanung her würde ich die Route hin auf jeden Fall nochmal genau so fahren (inklusive dem Trail durch den Wald), die Route für die Rückfahrt ebenso. Viel kleine Wege, weit weg vom Autoverkehr und man konnte schön in Ruhe die Landschaft genießen.  Ein bisschen was zum Ansehen gibt’s auch noch und die Bilder der Tour stecken, wie immer, in der Gallerie.

6 Comments on "Winterswijk – Rückblick"

  1. Als ich DAS las… da verschwand mein Hexenschuss wie Schnee in der Sonne… Ich zieh´ die Wollmütze für Euch. So geht Wintertour. Thumbs up.

  2. Beats per minute war wohl keine musikalische Anzeige, hmmm?

  3. Hier gab es übrigens nur Glatteis, no snow. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

  4. Das ist blöd hehe. Bin von morgens 7 bis nachmittags um 3 durch den Schnee gerobbt, teils mit aberwitzigen Passagen dabei

    https://www.youtube.com/watch?v=3r4TzFZQD6M

  5. Jo danke mal wieder für den “netten” Bericht und die super Filme.

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