Teelichter statt Wachsschmiermittel

HabschnedNeues Jahr, neues Schmiermittel. Zeit für ein wenig Kettenpflege. War ja die Tage beim Schrauber um den Kassettenabzieher zu holen, als mir einfiel dass ich dringend neues Schmiermittel für die Kette brauche. So ca. eine Ölung war da noch in der Buddel, letzte Ölung quasi. Also mal kurz ein Auge ins Regal mit dem Schmierzeuchs geworfen, und die dämliche Idee gehabt, das altbewährte Finish Line Cross Country Öl durch was anderes zu ersetzen. Hätte ich mal lieber zum altbewährten Öl gegriffen…verdammte Kacke. Aber ich war ja mal wieder schlauer und wollte mal testen ob ein Wachsschmiermittel den Antrieb sauberer hält. Irgendwie schien mir das Cross Country Öl den Dreck und Schmutz zu sehr anzuziehen, warum also nicht mal die Kette wachsen?

Lange Rede…kurzer Sin…die 8€ für die 120ml Amphore hätte ich auch dem nächstbesten Obdachlosen schenken können, wäre sinnvoller angelegt gewesen. Aber der Reihe nach. Ich also mit dem Wachszeug unterm Arm ab nach Hause und das Bike in den Montageständer gekloppt. Lappen zur Hand und die Kette vom gesammelten Schmutz der letzten Tage befreit und den Ratschlag auf der Rückseite der Flasche befolgt: “Vor Gebrauch kräftig schütteln“. Es wurde dermaßen geschüttelt, das ich kurzfristig an eine Teilnahme der nächsten Cocktail-WM dachte. Oben, unten, schräg, hinterm Rücken, überm Kopf, hochgeworfen….Barkeeper hätten sich in Ehrfurcht verneigt vor den akrobatischen Übungen auf der Terrasse. Nachdem kräftig geschüttelt wurde flux den Deckel entfernt und die Öffnung grob in Richtung Kette gehalten…und da schoss die Suppe aus der Flasche schon quer durchs Unterholz.

Das “Wachsschmiermittel” als solches ist flüssig wie Sau, da kannst du zugucken wie Milliliter um Milliliter die Flasche verlässt. Ein guter Teil suppt an der Kette vorbei, bzw. zwischen den Kettengliedern auf den Boden. Et naturelement bildet sich dort eine Wachsschicht sobald das Zeug anzieht. Weitere Kippversuche wurden vorsichtiger unternommen, und so ab Kettenglied 72 lief das “wachsen” recht rund. Hier und da hab ich scheinbar mal etwas zuviel aufgetragen und es bildeten sich Wachstropfen an den Gliedern. Aber egal, wird beim ersten Durchlauf durchs Ritzel ja abgeschliffen hehe.

Alles gewachst, kurz antrocknen lassen und noch ne zweite Schicht aufgetragen. Am nächsten Morgen dann mit frisch gewachster Kette zur Arbeit gehobelt und was muss mein Ohr hören? Die Kette klingt in etwa so als ob sie schon mehrere Hundert Kilometer kein Öl bekommen hat. Im Vergleich zur frisch geölten Kette ist der Lauf mit dem Wachsschmiermittel unheimlich rauh. Während die frisch geölte Kette eher leise und unauffällig vor sich hin surrt klingt das mit dem Wachszeuchs schon fast barbarisch. Mal abgesehen von der Geräuschkulisse ist die Langlebigkeit der erm…nennen wir es “Schmierung” nicht wirklich überragend. Wo ich der Kette so übern Daumen alle 200km nen Ölbad geben darf fordert die Wachsschicht schon nach gut 70km nach einer Auffrischung. Hobelt sich halt recht schnell weg, die Wetterumstände tun ihr Übriges dazu und schon pfeifft die Kette wieder auf dem letzten Loch. 

Ob das Wachsschmiermittel nun mehr oder weniger Schmutz anzieht vermag ich nicht zu sagen, dafür war das vermutlich nicht lang genug drauf. Jedenfalls schnurrt die Kette im Moment wieder dank eine schicken Öl- anstatt Wachsfilms. Das wäre dann erstmal alles zum Experiment “Wachs statt Öl!”. Sollte in mir nochmal das Verlangen nach einer gewachsten Ketten heranreifen fahre ich zu IKEA, besorg mir nen Beutel Teelichter und raspel die auf die Kettenglieder…mehr aber auch nicht.

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