Stavanger – Norway

Ein kurzer Rückblick von unserem “Kurztrip” von Dortmund über Hirtshals nach Stavanger in Norwegen. Wir hatten Anfang März diesen Jahres per Zufall auf deal.dk eine Mini-Cruise nach Stavanger entdeckt zu einem Schnäppchenpreis von 450DKK (Reise kostet normalerweise so um die 1100DKK pro Kopf). Also gebucht und gefahren, und wieder für’s Leben gelernt hehe.

Die Anreise nach Hirtshals

Hirtshals Map
Hirtshals Map

Die Anreise von Dortmund nach Hirtshals mit der Bahn werden vielleicht viele als “beschwerlich” ansehen, aber die Stunden im Zug vergehen eigentlich recht flott. Gestartet wurder morgens um 06:25 von Dortmund aus, von da ging es mit dem InterCity nach Hamburg. In Hamburg dann eben schnell zwei Zigaretten geraucht, und in den EuroCity nach Fredericia umgestiegen.

Von Fredericia aus ging es dann mit dem Lyntog über Aalborg und Hjoerring nach Hirtshals. Gesamte Reisedauer mit dem Zug waren knappe 13 Stunden, die aber locker auszuhalten waren. Die Zugfahrten waren so getimed, das beim Umsteigen fast überall genug Zeit war um sich die Beine zu vertreten und sich zu den anderen Aussetzigen in die markierte Raucherzone zu gesellen. In den Zügen selbst, besonders in den dänischen, sitzt man recht komfortabel (auf jeden Fall find ich es angenehmer als in den deutschen Zügen) und kann auch mal ne Runde durch die Waggons drehen ohne Angst um sein Gepäck haben zu müssen.

 

Hirtshals Harbor
Hirtshals Harbor

In Hirtshals angekommen wurden wir am Bahnhof mit einem direkten Blick auf den alten Teil des Hafens belohnt. Schön bunt und beruhigend für die Seele. Von da mussten wir nun nur noch zum Fjordline Terminal finden, Gerüchten zufolge sollte es eine Art Shuttle geben das einen vom Bahnhof direkt zum Terminal fährt. Ausgeschildert war der Weg zum Shuttle jedenfalls mau, wir haben beide erstmal planlos umhergeschaut bis wir dann ein winzig kleines Schildchen mit einem Schiff drauf gefunden haben. Also dem Schild hinterher, und nach 2 Minuten Fußweg standen wir dann auch schon vor dem Shuttle. Und mit Shuttle meine ich einen Bus, der hier mittlerweile wohl vom TÜV erschossen worden wäre. Anyway, kleines Pläuschchen mit dem Fahrer gehabt über die Abfahrtszeit und es kam wieder diese Freundlichkeit in den Dänen durch die ich so liebe. Wir kamen irgendwie auf das Thema Verpflegung zu sprechen, und er sagte ganz trocken: “Wenn ihr eben noch kurz einkaufen wollt, dann warte ich noch ein paar Minuten mit der Abfahrt”. Das Angebot dankend angenommen, und eben schnell noch in den Reema 1000 direkt gegenüber der Haltestelle des Shuttles gesprintet. Auf unsere Sachen hat der Fahrer netterweise aufgepasst während wir einkaufen waren. Als wir alle wieder am Shuttle waren ging es dann auch los und wir wurden für 20DKK runde 10 Minuten kräftig durch Hirtshals geschaukelt bis wir schließlich am Terminal von Fjordline ankamen.

[nextpage title=”Die Überfahrt nach Stavanger” ]Die Überfahrt nach Stavanger[/nextpage]

Die Überfahrt nach Stavanger

Fjordline Terminal
Fjordline Terminal

Am Terminal angekommen hatten wir noch gute 45 Minuten bis der Check-In aufmachte, also haben wir uns mal ein wenig umgesehen. Ich bring es mal kurz auf den Punkt. Stellt euch vor ihr seid am Arsch der Welt. Wenn ihr dann noch 20km weiter fahrt, dann seid ihr am Terminal von Fjordline. Es gab rund um das Terminal…nichts. Keine Fressbude wo man sich noch kurz aufhalten konnte, kein Shop, kein Nix. Das auf dem Bild ist übrigens das “Shuttle”. Solides altes Stück, der Fahrer war glaub ich auch so um die Mitte 70 hehe. Einzig und allein erwähnenswert was das Terminal betrifft ist die Getränke-Oase für Kaffee-Junkies. Kaffee und andere Heißgetränke gab es für schlappe 7DKK, bezahlt werden konnte ausschließlich mit Kreditkarte. Kannte ich so auch nicht, aber ohne Kreditkarte ist man, was Kaffee im Terminal angeht, aufgeschmissen.

 

Fähre Bergensfjord
Fähre Bergensfjord

Da wir noch satt Zeit hatten haben wir uns entschlossen rund 200m zurück zu laufen, da wir im Vorbeifahren gesehen hatten, das es dort schicken Sandstrand gab. Der Spaziergang hat sich gelohnt, am Strand ist immer schön und die Zeit ging beim Blick auf die offene See doch deutlich schneller um als beim Blick auf die Kaimauern. Beim Warten haben wir dann auch die Fähre erspäht die uns von Hirtshals nach Stavanger bringen sollte. Als diese gemächlich festmachte, haben wir uns dann auch in Richtung Check-In begeben, uns die Bordkarten geholt und gewartet bis wir an Bord durften.

 

 

Decks und Plan
Decks und Plan

Auf der Fähre erstmal grob die Orientierung verschafft, wir mussten uns von Deck 7 zu Deck 8 durchschlagen und hatten eine Kabine achtern (für die Nicht-Seefahrer -> hinten, am Heck). Die Gänge auf den Decks sahen aus wie auf den meisten Fähren/Schiffen mit denen wir unterwegs waren, nix wirklich dolles aber zweckmäßig halt. Interessant wurde es bei der Kabine. Wenn man auf den Preis schaut dann sollte man meinen man bekäme das letzte Loch was es auf dem Schiff geben würde. Dementsprechend waren auch unsere Erwartungen, aber es kam mal wieder anders als man denkt.

Die erste “angenehme” Überraschung sahen wir, als wir um die Ecke in den Gang bogen, in dem unsere Kabine lag. Ein Schild strahlte uns an und sagte “De Luxe and Mini Luxe Cabins”. Sehr positiv, damit war das Thema “Letzte Loch” schon aus dem Rennen. Also Bordkarte gezückt, vor den Sensor der Tür gehalten und Tür vorsichtig aufgemacht. Und gestaunt. Die Kabine war von der Größe her deutlich größer als erwartet, Doppelbett frisch bezogen, frische Handtücher in der Dusche und sogar ein gottverdammtes Pralinchen auf dem Kopfkissen.Fast vergessen zu erwähnen das auch die Präsenz eines Bullauges (für Nichtschwimmer -> rundes Fenster zum Rausgucken) sehr positiv aufgenommen wurde. Ist doch schöner wenn man mal rausgucken kann, anstatt nur auf Kabinenwände zu starren. Der übliche Schnickschnack wie Fernseher war natürlich auch vorhanden, wurde aber nicht wirklich genutzt da wir eh die meiste Zeit auf dem Deck waren.

 

Cabin
Cabin

Wichtigstes Utensil war jedoch der Wasserkocher, der auch gleich probiert wurde um ein lecker Tässchen Kaffee zu schlürfen. Nach dem Kaffee dann das Gepäck verstaut, und das Schiff teilweise erkundet. Pünktlich zum Ablegen wollten wir auf dem Achterdeck sein, also mit ordentlich Kniegas von der Kabine in Richtung Aufzug und runter auf Deck 7 und ein Blick in die Restaurants und Bars geworfen. Wir wollten ja eigentlich noch zum Geldautomaten auf dem Schiff und schonmal norwegische Kronen ziehen, leider war der Automat aber hinüber (was uns im Nachhinein noch teuer zu stehen kam). Nach dem Rundgang ging es dann auch so gegen 21.00 aufs Deck, das Ablegen war gelpant für 21.30. Wetter war top, die Sonne schien und die zur Küste gehörige steife Brise wehte auch ordentlich und einem schicken Sonnenuntergang auf offenem Meer stand nix im Weg.

 

Achterdeck
Achterdeck

Gegen 21.15 ging dann ein kurzer Ruck durchs Schiff, der Kapitän hat die Motoren angeworfen. Das Achterdeck füllte sich dann auch langsam mit Leuten die, wie wir, das Ablegen live erleben wollten. War doch eine weise Entscheidung zeit auf dem Deck zu sein. So musste man sich wenigstens nicht mit Ellbogen in Richtung Reling vorkämpfen. Punk 21.30 (da könnte sich die DB mal ein Beispiel dran nehmen) ging es dann auch los und wir tuckerten gemächlich aus dem Hafenbecken in Richtung offener See.

Die Möwen im Schlepptau packten Messer und Gabel aus, müssen die Fähre wohl mit nem Fischkutter verwechselt haben. Jedenfalls gaben sie uns bis kurz hinters Hafenbecken “Geleitschutz” und glitten teils nur wenige Meter über unseren Köpfen an uns vorbei. Wenn man so im Nachhinein sich die Bilder nochmal durch den Kopf gehen lässt war das ein recht majestätischer Anblick. Der Wind legte noch ne Schüppe drauf, was einige Leute vom Deck wieder in Richtung Bars oder Kabinen trieb. Wir blieben aber standhaft auf Deck und haben uns eine windgeschützte Ecke gesucht (Angebot an Sitzbänken und Aschenbechern an Deck war reichlich). So gegen 22.00 sprach dann wie aus dem Nichts eine Stimme zu uns und behauptete sie wäre der Kapitän, der uns jetzt über Wetter, Wellengang und Dauer der Überfahrt informieren würde. Und beim Teutates, so war es auch. Der Kapitän quäkte dann die Infos über die Lautsprecher und wünschte uns allen eine gute Überfahrt. Wir blieben noch eine Weile an Deck und gönnten uns den Sonnenuntergang bevor es dann langsam in Richtung Commander Buffet ging für das Gute-Nacht Häppchen.

LR D7K-0338Die Nacht war, genau wie vom Kapitän angekündigt, ruhig. Kein starker Wellengang, kein Geschaukel. Nur der Weckdienst kam überraschend. Das Schiff sollte laut Plan um 7 Uhr morgens in Stavanger anlegen, soweit so gut. Um 6 Uhr kam aus den Lautsprechern die quäkende Stimme eines Crew-Mitgliedes mit der Bitte sich doch in die Senkrechte zu begeben, damit man pünktlich um 7 von Bord gehen kann. Also aufgerafft, fertig gemacht und die Rucksäcke gepackt. Dann runter aufs Deck mit den Restaurants und hastig ein Frühstück eingeworfen und zum Abschluß nochmal hoch auf das Achterdeck um die Zigarette danach zu genießen. Wir waren noch rechtzeitig genug an Deck um die Einfahrt in den Hafen mitzuerleben. Landschaftlich war die Strecke Richtung Hafen in Risavika sehr schick, und das Anlegen klappte auch ohne Schwierigkeiten. Hat mir nur fast den Kaffee aus dem Becher geschwappt, als das Schiff gegen die Prellböcke lief. Egal, runter von der Fähre und dann brach das Chaos aus.

Ankunft in Stavanger

Kaum von der Fähre runter mussten wir feststellen, das wir mit der Vermutung das Terminal von Fjordline in Hirtshals läge noch hinter dem Arsch der Welt, völlig falsch lagen. Im Gegensatz zum Fjordline Terminal in Risavika liegt das Terminal in Hirtshals sehr zentral hehe. Man sollte meinen das man, wenn man eine Kreuzfahrt nach Stavanger bucht, auch in Stavanger anlegt. Mööööp…falsch. Es scheint mit diesen Mini-Kreuzfahrten ein bisschen wie mit den Billigfliegern wie zum Beispiel Ryanair zu sein. Man fliegt nach “Düsseldorf”, wobei der Flugplatz Weeze aber am bereits zitierten Arsch der Welt und weit weg von Düsseldorf liegt. Und genau so verhält es sich auch mit der Mini-Kreuzfahrt von Hirtshals nach Stavanger. Anstatt direkt in Stavanger legt man im Risavika Havn an, ca. 16km von Stavanger entfernt.

Map Stavanger
Map Stavanger

Auf der Karte sind zwei Routen von Risavika Havn nach Tananger zu sehen. Die graue Router ist Buslinie 9 von Kolumbus.no. Die Linie 9 fährt die Haltestelle im Kontinentalvegen aber nur 3x täglich an, und zwar nachmittags. Hilft einem natürlich wenig, wenn man morgens um 7 Uhr anlegt hehe. Die zweite Route ist dann die, die wir mit dem Taxi genommen haben, bzw. nehmen mussten. Es gab zwar einen Bus, der am Terminal wartete, allerdings akzeptierte der nur Zahlung in norwegischen Kronen. Und da der Geldautomat auf der Fähre kaputt war standen wir noch ohne norwegische Kronen da und guckten Löcher in die Luft.

Gottseidank kann man aber, wie in Dänemark auch, in Taxen mit Kreditkarte zahlen. Also kurz die Rufnummer eines Taxi-Dienstes notiert, der andere Gäste vorm Terminal abgeholt hat, angerufen und ein Taxi bestellt. Das Taxi kam und brachte uns die rund 17km in die Innenstadt von Stavanger. Die Fahrt dauerte “geringfügig” länger, da auch in Norwegen morgens zwischen 7 und 8 Uhr Berufsverkehr ist und die Fahrt kostete uns umgerechnet schlappe 50€. Nicht von schlechten Eltern, aber es gab halt keine Alternative.

Im Stadtzentrum angekommen haben wir uns erstmal grob orientiert, und dann im Hotel direkt im Zentrum eingechecked. Kleines gemütliches Hotel direkt am Skagenkaien mit Blick auf den Hafen. Sachen verstaut, und Rucksäcke für die erste Tagestour durch Stavanger gepackt und wieder raus ins Getümmel. Mittlerweile war es 10 Uhr morgens, und wir haben erstmal die Sonne bei Schlendern durchs Zentrum genossen, bevor wir uns in Richtung Wasser und Hafen auf den Weg gemacht haben. Das Stadtzentrum selbst ist jetzt nichts besonderes, viele alte Gebäude wie man sie auch in anderen nordischen Städten findet gemixt mit moderner Architektur und alles schön bunt. Interessant war die Altstadt von Stavanger mit ihren vielen kleinen Bars, Cafes und Restaurants. Da kam schon definitiv mehr Charme rüber als beim Spaziergang über die Shoppingmeile.

 

Regen haben se ooch
Regen haben se ooch

Das Wetter hielt sich den ersten Tag über, allerdings gab es am Nachmittag einen kleinen Schauer hehe. Egal, untergestellt und was leckeres gegessen und kurz drauf war der Regen auch schon weitergezogen und es gab wieder blauen Himme. Am Hafen kann man locker die Zeit totschlagen, sich in eine der Bars oder in ein Restaurant hocken und dem geschäftigen Treiben der Leute zuschauen. Touristen gibt es scheinbar wie Sand am Meer, und jetzt wo wir da waren kann ich auch verstehen warum. Gerade die Altstadt, gepaart mit den super-freundlichen Menschen, der Seeluft und der Landschaft in der Umgebung machen Stavanger zu einem beliebten Reiseziel im Norden. Theoretisch würde ich das Ganze auch gerne im Winter bei Schnee nochmal sehen wollen, speziell Fjorde im Winter könnten sehr interessant werden.

 

 

Um das Thema für den Moment abzuschließen:
Ich werde noch einen zweiten Teil mit Bildern online stellen, in dem die Landschaftsaufnahmen von der Tour durch das Lysefjord zum Preikestolen (Priesterstuhl) und zum Kjerag gepostet werden. Muss die noch sortieren und hübsch machen. Um aber schonmal ein Fazit zu ziehen: Die Reise war großartig, die Leute super nett, die Landschaft grandios, die Preise horrend aber who cares? Hätte mir einer nen Arbeitsvertrag für nen Job auf nem Fischkutter angeboten, ich hätte direkt zugeschlagen. Schönes verschlafenes Nest, und ich schätze Norwegen steht jetzt öfters auf dem Reiseplan von uns.

 

 

 

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