Spreu vom Weizen und keuchende Mittvierzigerinnen

HabschnedDie letzten Tage hatten es in sich, so wie die heutige Standardrunde um den Busch. Mit der fang ich gleich mal direkt an, gab wieder was zum Lachen auf dem Weg. Gestern das Rad vom gröbsten Schmutz der letzen Tage befreit, mit Schlauch und Bürste wieder ausgehfein gemacht. Alles in allem gute anderthalb Stunden Rödelei, die sich aber gelohnt hatten. Das Zweirad machte alles in allem ne gute Figur. Nicht ganz wie neu aus’m Laden aber immerhin…hier und da konnte vereinzelt Glanz ausgemacht werden. So weit…so gut.

Alles für die Tonne, die heutige Hausrunde hat es dem Drahtesel wieder richtig besorgt und er sieht aus wie vor der Putzschlacht gestern. Da fragst du dich warum du der Gerät putzt wie ein Wahnsinniger wenn es doch nach der nächsten Runde wieder aussieht wie ein fahrender Tonklumpen? Die sauberste Stelle am Rad sieht in etwa so aus

Der Rest, dank Spritzwasser, Schotter, Schlam….fahrender Tonklumpen eben. Nicht schön, aber lässt sich ja bequem mit Hammer und Meissel abklopfen sobald getrocknet. Das aber nur am Rande, das Highlight der heutigen Hetzjagd um die Seseke waren…haaaaalt…sind zwei Highlights eigentlich. Mal mit dem weniger spektakulären anfangen.

Highlight #1

Oktober, der Herbst schlägt unbarmherzig zu. Das Wetter wechselt zwischen grau, windig, feucht in allen möglichen Kombinationen. Heute gab’s grau-feucht mit wenig Wind. Und prompt sind die ganzen Schönwetterradler, die sich nur bei Temperaturen über 20 Grad und absolut wolkenfreiem Himmel auf ihr Rad schwingen, von der Bildfläche verschwunden. Auf den 54 Kilometern konnten lediglich eine handvoll wetterfeste Radler gesichtet werden, der Rest saß wohl vorm Kamin. Aber gut so, je schlechter das Wetter desto freier die Bahn und desto nasser der Habschned. Aber der wird ja auch wieder trocken und es geht nichts über ne halbstündige heisse Dusche nach ner Runde im Regen. Die Haut muss aussehen wie ein Hummer nach der Behandlung im Kochtopf, dann passt das. 

Für die Schönwetterradler, die sich nur bei Sonnenschein und blauem Himmel mit ihren Bikes auf die Piste wagen hier noch eine kleine Ehrerbietung…

Highlight #2

Tierheim Unna. Du stehst da, nuckelst gedankenversunken an der E-Zigarette rum und bläst Rauchwolken in die Luft das einem Schoschonen beim Übersetzen schwindelig wird. Da rollen zwei Damen mittleren Alters (Mitte 40 schätze ich), ganz auf sportlich getrimmt (bunte Radlerpelle und schmucke 3/4 Radlerhose samt weissen Turnschuhen) auf ihren Mountainbikes vorbei. Erstmal nichts bei gedacht, noch zwei- oder dreimal den Schoschonen ne SMS zukommen lassen und wieder in den Satttel, direkt auf die Radautobahn und die Verfolgung der radelnden Grazien aufgenommen.

Kurz hinterm Tierheim war ich auch schon dran, bin dann ein paar Meter hinterher gekrochen und konnte diverse Wortfetzen wie “…wir sind aber ganz schön zügig unterwegs heute…” oder “ja, heute haben wir richtig Tempo drauf!“. Ich dachte ich hör nicht richtig. Kurzer Blick auf den Edge zeigte die unerhörte Geschwindigkeit von strammen 21km/h…alter Schwede machten die beiden Tempo. Gute 100m hab ich mir das angeschaut, dann mal von hinten mit der Kirchenglocke um Durchlass gebeten und ein wenig ins Pedal getreten.

Mit entspannten 30km/h wurden die beiden Schnaufer dann auch recht fix zu kleinen Punkten hinter mir. Aber wenn die Damen so “zügig unterwegs” sind und ordentlich “Tempo haben”…kann man ja mal ein wenig mit spielen. Also wurden auf den Stücken bis Lenningsen Intervalle gefahren. Es gibt ja genug Querungen mit Straßen auf der Radautobahn, da kann man sich recht easy Intervalle basteln. Also bis zum Bahnübergang Gas gegeben, danach die Damen wieder aufholen lassen und an der Rampe nach der Bahn gleich wieder alt aussehen lassen. Und so ging’s weiter…gnadenloses Geknüppel, gefolgt von entspanntem Radeln bei rund 15km/h bis die Tempofanatikerinnen wieder aufgefahren waren. Sehr zu meinem Bedauern fand das Spielchen aber in Lenningsen ein jähes Ende. Ich links rum in den Butterwinkel, die Turbo-Damen geradeaus weiter auf der Radautobahn…verdammte Kacke…ich hab so gehofft dass die ebenfalls die Buschrunde fahren hehe. Aber naja, Spaß hat’s trotzdem gemacht zu sehen wie verbissen die Mädels ins Pedal getreten haben um ihr “Tempo” zu halten. 

Den Rest der Runde kann man sich schenken. Die Menge an aufgewirbeltem Dreck, der am Rad haften blieb nahm proportional mit den gefahrenen Kilometern zu und der Schlauch musste daheim nochmal herhalten. Der gröbste Dreck ist wieder runter, aber bei der Wettervorhersage für die nächsten Tage…hätte ich das auch bleiben lassen können. Schätze morgen, nach den beiden arbeitsbedingten Fahrten durch die hervorragenden Wetterbedingungen, ist das Rad wieder von einer knackigen Kruste umhüllt :)

 

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