Sei auch du ein Lümmel im Verkehrsgetümmel

HabschnedMottotag heute. Und die Überschrift war Programm, sonst wäre die gemütliche Runde im Grünen wohl in nem Blutbad und ner netten Überschrift in der BLÖD geendet. Durchwachsen wie das Wetter auch war, die ADFC Jungs kannten kein Erbarmen und haben ganze Seniorenheime auf den Sattel geschickt.

Den ersten Vorgeschmack auf dass, was da auf den restlichen Kilometern kommen sollte, gab es bereits im Seepark. Bei kurzweilger Einkehr und besinnlichem Starren aufs Wasser bildete sich in meinem Rücken ein Rentnerrudel von gut 12 Mann (könnten mehr gewesen sein, ich hatte auf der Flucht keine Zeit genau zu zählen). Jedenfalls zu viele für meinen Geschmack

Das Ohr vernahm die geplante Fahrtrichtung der Damen und Herren. Wie sollte es auch anders sein? Genau meine Richtung. Ich also meinen Krempel zusammengerafft und aufs Rad geschwungen bevor der FC Künstliche Hüfte auch nur die Chance hatte in die Hufe zu kommen. Mit quietschenden Reifen an Oma und Opa vorbei, alles war gut. Die Strecke war frei…für 3 Kilometer oder so. Kaum an der Gabelung Seseke-Weg/Kuhbach-Trasse rechts abgebogen erspähte mein Auge folgendes

Der nächste Trupp lauerte schon. Man entschloss sich scheinbar kurzfristig zu einer Rast an einer Stelle, die von einem der Radler als “günstig gelegen für ne Pause” bezeichnet wurde. Jeder andere hätte sich überlegt ob es sinnvoll ist mit gefühlten 15 Mann den Weg zu blockieren. Natürlich wurde von rechts nach links über den Weg gewuselt und ich musste so weit runterbremsen, dass ich schon das Piepen der Herz-Lungen-Maschinen vom Rentnertrupp hinter mir in der Ferne hören konnte. Also..extremster Daumeneinsatz und mit der Klingel mal kurz “Master of Puppets” gegeben. Neee was wuselten die da planlos rum. 

Egal, die Gruppe auch geschnupft und ich dachte das wäre bereits das Highlight des Tages gewesen. Erm…nein, es kam noch deutlich schlimmer. Kaum war ich an dem Radlerhaufen vorbei sah ich in der Ferne was orangenes leuchten. Das weckte den Jagdinstinkt und die Pedale nahmen Fahrt auf…großer Fehler. Das orangene wurde zwar schnell größer, aber je näher ich kam desto größer wurden auch meine Augen! Folgendes Bild bot sich am Horizont

Das orangene Ziel hatte Verstärkung im Schlepp. Auf dem Bild oben sieht man nur einen Bruchteil der Radler aus der Gruppe. War fast wie auf der Fietselfstedentocht, überall Zweiräder. Je näher ich kam, desto mulmiger wurde es mir. Immerhin war das “Publikum” der Gruppe bunt gemischt und neben dem gelegentlichen Surren des mobilen Defibrilators, Herzschrittmachern die auf Hochtouren liefen und Atemgeräuschen die vermuten ließen dass Lord Vader irgendwo im Pulk steckt und der dunklen Seite entgegen radelt, fanden sich auch hier und dort Leute mittleren Alters. Was sag ich…mittleres Alter…gar Jungspunde wurden im Trupp gesichtet.

Der ADFC Lünen hatte groß aufgetischt und wohl den halben Kreis mit nem Fahrrad für die Tour nach Werne versehen. Tja…manchmal hat man einfach kein Glück und dann kommt auch noch Pech dazu. Wollte eigentlich ne geschmeidige Runde knüppeln heute, aber die nächsten Kilometer hing ich hinter bzw. später dann mitten in der ADFC Gruppe rum und kurbelte mit einem Bein gemächlich daher.

Egal wo du hinschautest…da war nen Radler aus dem ADFC Trupp. Hier und da mal geklingelt wenn ich mich an den Radlern vor mir satt gesehen hatte und Abwechslung brauchte. Aber die komplette Gruppe überholen war einfach nicht drin, da hier und dort auch entgegenkommender Verkehr völlig verstört ob der Meute die auf ihn zukommt, wackelig über den Weg schlich und Ausscheren und Gas geben einfach keine Option war. Und so…klingelt man halt hier und da und radelt dann zwei Positionen weiter vor bevor man wieder einscheren muss. Leck mich am Arsch, ich hätte im Strahl kotzen können.

Ich muss ja zugeben dass das Überqueren von Straßen ein Schauspiel vorm Herrn war. Die Reiseführer (ADFCler halt) haben sich dann mal auf der Straße quer gestellt und den Verkehr angehalten bis die Schrittmacher-Armee durch war. Gut gemacht, großes Lob dafür. Und dann….steckte ich wieder im Pulk und erm…schlurfte dahin.

Und so ging es bis zu der “JETZT” Skulptur an der Seseke. Ich hatte mich mittlerweile so ins erste Drittel der Gruppe vorgearbeitet und es ging auf eine dieser dämlichen Barrieren am Übergang zu den Straßen zu. Hinter mir ertönte ein lautes “Platsch” und einer der Teilnehmer der Völkerwanderung auf Rädern hatte scheinbar beschlossen sich die ganze Nummer mal kurz aus der Horizontalen anzusehen. Kann passieren in Gruppen, insbesondere wenn es im Pulk auf schmalem Weg auf Barrieren zugeht und man besser mal um sich rum schaut wer wann, wo und wie bremst. Nicht schwatzen mit dem Nebenmann, sondern Konzentration bitte…

Naja, die Gruppe bremste, einer radelte flott vor und informierte die Spitze die auch anhielt. Und so…freie Fahrt nach einer unendlich langen und quälenden Gefangenschaft in einer ADFC-Truppe auf dem Weg nach Werne. Die restlichen Kilometer waren gottseidank frei von größeren Gruppen. Hier und da mal nen Viererpack oder so, das war es dann aber auch. In Summe war die Runde heute dann doch noch recht angenehm, ich darf mir nur ned ausmalen wie es abgegangen wäre wenn ich alle drei Gruppen hätte fahrend passieren müssen.  Zumal ich über die, wenn ich es so nennen darf, Fahrweise einiger Teilnehmer doch noch ein paar Worte verlieren möchte…aber die sind allesamt nicht jugendfrei hehe.  Besonders der Herr in der Weste, türkisem Shirt und schickem E-Bike auf dem oberen Bild…alter Schwede hat der sich einen zusammengegurkt. War vielleicht schon vor Beginn der Tour beim Frühschoppen, oder hatte was leckeres in der Trinkflasche…ich weiss es nicht. Aber die Linien die er zog waren recht abenteuerlich :)

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