Riecht nach Beschiss

Habschned“Traue keiner Statistik die du nicht selbst gefälscht hast!”. Das lässt sich, musste ich leider feststellen, auf viele Sachen übertragen. Aktuell stöber ich im Urlaub mal durch diverse Challenges auf Garmin Connect an denen ich Teil genommen habe, und eine liess mich doch die Augenbrauen lupfen…bis zum Haaransatz. Anfang Februar flatterte eine Einladung zu einer “Step Challenge” ins Postfach bei der es um die Anzahl Schritte innerhalb eines definierten Zeitraumes geht. Nicht ungewöhnlich, die kommen quasi im Monatsrhythmus und ich hab die nie wirklich verfolgt. Hätte ich mal machen sollen hehe.

Das Regelwerk für diese Challenge war denkbar einfach. Der Zeitraum ging vom 13. Februar bis zum 12 März 2017. Preise gibt es nicht, die ganze Nummer ist nur so zum Spaß. Nur scheinen einige Teilnehmer den Spaß irgendwie anders zu definieren, oder echte Dauerläufer zu sein. So rein gefühlsmäßig müsste die Gewinnerin dieser Challenge drölfzig Medaillen von olympischen Spielen oder sonstigen Leichtathletikveranstaltungen in der Schublade haben. Wollen wir doch mal die “Laufleistung” des Gewinners / der Gewinnerin aufdröseln und ein paar Zahlen in den Raum stellen, die den Trainer der Olympiamannschaft aus der Hose springen lassen…samt Schuhe.

 Nach Ablauf der Challenge lag auf Platz 1 ein Teilnehmer, oder eben eine Teilnehmerin (man weiss ja nie hehe), mit einem Fabelweltrekord von sage und schreibe 1.841.335 Schritten….in 28 Tagen. Wenn man nun mal den Taschenrechner anlegt dann ergibt sich eine durschnittliche Zahl von 65.762 Schritten pro Tag. Da klappt erstmal der Kiefer hemmungslos auf den Boden bei dem Wert. Wenn man nun eine durchschnittliche Schrittlänge von 60cm für einen Erwachsenen (habe mir den Wert von einer Schrittzähler FAQ geborgt) anlegt, dann resultiert aus den 65.762 Schritten am Tag eine Distanz von 39.457 Metern, oder in anderen Worten 39.5 Kilometer…pro Tag, an jedem Tag der Challenge.

Wenn ich 28 Tage lang fast 40 Kilometer am Tag laufe, dann habe ich so zur Hälfte der Challenge nur noch blutige Stümpfe wo einst die Füße waren. Mal ernsthaft, selbst Topathleten dürften solche Strecken nicht täglich über einen Zeitraum von 28 Tagen ohne Ruhetage laufen…kann ich mir nicht vorstellen. Der Zweitplatzierte lag mit rund einer Million Schritten dahinter, und käme auf eine tägliche Strecke von rund 18 Kilometern (was durchaus realistischer klingt als knapp 40km pro Tag).

Wieviel offensichtlicher kann es denn bitte werden? Die Anzahl kann meiner Meinung nach nicht stimmen, auf keinen Fall, nienimmernicht. Oder liege ich gar verkehrt, und es gibt doch einen Forest Gump, der die Welt barfuß in 1000 Tagen umrunden kann? Erm..nein, doch eher unwahrscheinlich oder? Ich bin nachwievor felsenfest davon überzeugt, dass es sich dabei um einen schlecht gemachten Beschiss handelt. Nur was bringt einem das? Es geht um nichts, ausser um die Bestätigung dass man mehr gelaufen ist als X andere Teilnehmer. Ansonsten ist da nur Ruhm und Ehre (beides virtuell natürlich) im Spiel, kein Bares, kein Auto oder sonstwas für den ersten Platz. Die Kernfrage bleibt doch: “Warum bescheisst man sich selbst, und warum so offensichtlich?”. Ich komm da nicht klar drauf, aber die nächsten Challenges (bis auf die automatisierten wöchentlichen, die Garmin einem aufdrückt) werd ich mir wohl komplett knicken.

 

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