Ohrfeigen soll es regnen

HabschnedVerdammtes radelndes Pack, organisierte Saubanden auf zwei Rädern. Da nagelt man mal ohne Kamera am Lenker die Hausrunde entlang und was ist? Sensationelle Szenen spielten sich am Bahnübergang in der Nähe von Gut Borgmühl ab. War von einem Blutrausch nicht mehr weit entfernt. Die Sonne schien, ich kraxelte heute morgen nach Einfangen der noch warmen, knusprig gebackenen Teiglinge hinter den Lenker um eben schnell ne Hausrunde zu fahren. Wetter passte, Wind kam stramm von hinten und alles war gut.

Vereinzelt waren Mitradler zu sichten, die aber ignoriert wurden. Auf Knüppelei hatte ich heute wegen der Schmerzen im Arm und des recht brauchbaren Wetters nicht wirklich Lust, also ging es mit einem gediegenen 22er Schnitt über Schotter und Asphalt. Die Landschaft zog vorbei, Wetter wurde immer besser und es waren tatsächlich Anzeichen eines sonnigen Sommertages zu erkennen

Alles war gut bis ich die Rampe auf der Radautobahn runter nagelte und mich in Richtung Bahnübergang auf den Weg machte. Geschmeidige Kurvenlage, die linke Kniescheibe bekam ob der Asphaltnähe ein leichtes Peeling und kaum war ich um die Ecke…Vollbremsung vorne und hinten. Ich dachte mich trifft der Schlag.

Auf 12 Uhr erspähten meine vom Wind geröteten Augen eine Menschenmenge die ihresgleichen sucht. Zahlreiche grauhaarige Figuren verteilten sich völlig unorganisiert über die komplette Breite der Fahrbahn, standen mehr oder minder interessiert in der Gegend rum und guckten Löcher in die Luft.  Mitten in einer Kurve, in der man an und für sich mit ordentlich Speed dank der Rampe ankommt.

Die komplette Kurve in dem roten Kästchen war vom Friedhof auf Rädern blockiert, man stand in 2er Reihen oder kreuz und quer und hielt Pläuschchen während Karten studiert oder neumoderne Navigationssysteme konsultiert wurden. Letztere schätze ich mal mit weniger brauchbaren Resultaten, war mir aber auch scheissegal. Nach der Vollbremsung und anschließender Trauerfeier für das gerade eben verstorbene Profil der noch fast neuen Reifen ging es dann im Kriechgang langsam auf den Trupp zu. 

Und nun…brach ein gottverdammtes Chaos in der Kurve aus. Von hinten (Bahnübergang) kam eine Gruppe von drei Rennradlern, deren Mimik ob des bevorstehenden Verkehrshindernis auf schwerwiegende innere Flüche schließen liess. Von vorn (Rampe) kam ich, und hinter mir zwei doch recht fitte Senioren und nichts ging mehr. Planlos wurden in der Verkehrsberuhigungsgruppe Räder nach rechts und links bugsiert, der oder die eine oder andere waren mit der Seitenwahl dann doch nicht zufrieden und wechselten noch schnell (so schnell die morschen Knochen es halt erlaubten) auf die andere Seite weil der Plauschpartner da stand. 

Die Navigatoren, die auf hastig Bügelfalten in ihre Karten knickten oder hektisch auf dem Navi tippten, bekamen erstmal recht wenig mit, brachen dann aber ob des Klingelgewitters von vorn und hinten ihre Zelte mitten auf dem Weg doch ab und begaben sich mit gemachem Schritt schiebend an den Straßenrand. Die gesamte Räumung der Strecke dauerte so knappe zwei Minuten. Ein Gewusel vor dem Herrn…da haste einmal die Kamera nicht umgeschnallt weil es ja doch nur ne Hausrunde ist und man eh alles schon drölfzig mal gesehen hat…und dann bekommst so einen Lacher serviert. 

Die Rennradler konntest, als alles geräumt war, leise fluchend und kopfschüttelnd davon fahren sehen und ich wäre am liebsten umgedreht und hätte mir angeschaut wie verzweifelt diverse Mitglieder aus der Seniorengruppe die Rampe hinauf gerödelt hätten (da waren tatsächlich welche ohne E-Bike dabei…ich wollt’s kaum glauben). Aber drauf geschissen, die restlichen Kilometer bis nach Hause noch elegant entspannt geradelt und gut war’s.

Im Nachhinein hätte ich konsequent mit ausgestrecktem Arm über den Grünstreifen nageln sollen und alle Helme mal abklatschen. Ein paar Meter weiter vorne ist eine Art Sammelstelle für Wanderer, Radler und überhaupt. Da hätte es mehr als genug Platz gehabt um die Räder samt Besitzern in einer nicht so katastrophalen Weise abzustellen. Für geschundene Ärsche wären sogar schöne harte Holzbänke verfügbar gewesen. Aber nein, warum nicht konsequent mit 20+ Radlern in einer schlecht einzusehenden Kurve “parken” und den Weg komplett blockieren?

An manchen Tagen…ist das STGB doch mehr hinderlich als nützlich!

2 Comments

    • Da sagste was. Nightride wäre ganz angenehm, hatte ich ja in der Wintersaison versucht anzuleiern, ist aber nie zustande gekommen. Unter der Woche geht’s eh ned, aber ich schätze ich werd zumindest jetzt in Dänemark mal nen halben Nightride hinlegen. Sprich Start irgendwann um 2 oder 3 Uhr morgens und dann in den Sonnenaufgang hinein.

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