Home office und Lockdown

Leben mit Einschraenkungen

Das Vereinigte Koenigreich befindet sich jetzt seit ner  Woche im Lockdown. Alles was nicht niet- und nagelfest ist arbeitet von zuhause aus. Auch unsereins sitzt gemuetlich im Wohnzimmer, die Kaffeemaschine in Griffweite. Home office ist nicht verkehrt, aber irgendwo fehlen dann doch die Fahrten auf dem Rad zur Arbeit und zurueck. Das ist die eine Seite der Medaille, die andere Seite sind die Einschraenkungen mit denen man sich organisieren muss. Mal eben zum Argos und neue, elektronische Spielereien kaufen ist nicht moeglich. Abends essen gehen…unmoeglich. Lieferdienst oder selber kochen ist angesagt. Auch alle anderen “normalen” Dinge die man so macht….nichts geht.

Wo kommen die denn alle her?

Immerhin hat uns der geliebte/gehasste Prime Minister BoJo ja die Moeglichkeit gelassen, uns sportlich im Freien zu betaetigen. Also geht es wenigstens an den Wochenenden normal weiter was das Radeln betrifft. Erstaunlicherweise scheinen viele Einwohner Belfasts an Samstagen und Sonntagen nun ebenfalls das Rad aus dem Schuppen zu holen…Keller gibt es hier so gut wie nicht in den Bauten hehe. Die Zahl der Radler, die ich auf meinen drei Standard-Loops nach Lisburn, Carrickfergus und Bangor treffe, hat sich ungefaehr verzehnfacht.

Bietet mir dann endlich mal die Gelegenheit, den alten Jagdinstinkt wieder auszuleben. Am Horizont nen Radler entedeckt…und los geht’s auf die Verfolgungsjagd. Nachdem man die kassiert hat, goennt man sich ein paar Minuten direkt am Meer und geniesst das Rauschen der Wellen.

Um dann direkt wieder aufs Rad zu huepfen um den Radler einzufangen den man bereits auf dem Hinweg zum Wendepunkt erspaeht hatte, wie er klammheimlich ungestoert nach Belfast radeln wollte. Ich liebe dass, wenn ich kurz vor Carrickfergus zum Beispiel einen Radler in Richtung Belfast treffe, meine Wende am Pier mache und denselben Radler dann in Hoehe von Jordanstown wieder einfangen und ueberholen kann. Sehen immer leicht demotiviert aus die Genossen :)

Der Alltag

Der “Alltag” stellt sich auch leicht anders da als gewohnt. Die Anreise zur Arbeit morgens sind ledliglich ein paar Schritte. Kaum ausm Bett ist man auch schon im Buero. Gearbeitet wird wie gewohnt, nur halt in einer anderen Umgebung (was nicht schlecht ist). Kaffee, Musik, TV…alles am Start. Erstmal merkt man kaum Unterschiede zum Normalbetrieb. Spannend wird es, wenn man nach Feierabend dann mal zwecks Besorgungen in die City faehrt oder sich im Supermarkt die Strasse runter eben mit Futter eindecken will.

Die ueblichen Panikkaeufe mal beiseite (Klopapier wird hier gehandelt wie Gold). geht das Drama schon beim Betreten des Supermarktes los. Erstmal stehst du dir draussen vor der Tuer in einer Schlange die Fuesse platt, natuerlich mit 2m Abstand nach vorne und hinten. Die meisten Maerkte, ich glaub sogar fast alle, lassen nur eine bestimmte Anzahl an Kunden in den Laden damit der Abstand eingehalten werden kann. Auf den Boeden hat es ueberall Abstandsmarkierungen und so hangelt man sich dann von einem “Feld” zum naechsten bis man alles hat was man braucht.

Bevor man aber hangeln kann, lauscht man den Anweisungen des Tuerstehers, der einem freundlich zu verstehen gibt dass man den Laden nun betreten darf und man sich doch  bitte an den bereitgestellten Spendern mit Desinfektionsmittel bedienen soll. Nachdem man sich die Haende ordentlich desinifziert hat darf man dann einen Einkaufskorb nehmen der:

  • a) von einem Mitarbeiter bereits mit Desinfektionsmittel besprueht wurde
  • b) von einem selbst besprueht werden muss (LIDL Carrickfergus)

Und erst dann geht der Sturm auf die leeren Regale los hehe. Klopapier, Pasta, Bohnen in Tomatensosse…nix ist am Start. Man hat mal Glueck, wenn gerade ne frische Ladung eingetroffen ist aber meist bleibt der Korb eher leer. Besonders geil sind die Leute die, aufgrund von Limits pro Kunden, mehrfach in der Schlange auftauchen. Gestern erst beim Tesco beobachtet. 

Frau mittleren Alters kam aus dem Markt, strolchte an uns vorbei und verfrachtete ihre Einkaeufe im Kofferraum. Kurz drauf stand sie 4 Positionen hinter uns in der Schlange, vermutlich um noch mehr Kram zu kaufen der eigentlich auf ne bestimmte Anzahl pro Kunde beschraenkt ist. Aber egal, das wird sich hoffentlich alles wieder normalisieren im Laufe der Monate….

Die kommenden Wochen/Monate

Bin gespannt wie lange der ganze Spuk dauern wird. Ich persoenlich rechne mit mehreren Monaten bis wir hier wieder zu einer mehr oder weniger entspannten Situation kommen. Bis dahin heisst es durchhalten und sich mit den derzeitigen Gegebenheiten zu arrangieren. Ist nur anfangs alles super-kompliziert, zumal hier ausser den “essential businesses” aber auch gar nichts auf hat. Auf Monate gesehen koennte das sehr sehr spannend werden, und viele Laeden werden wohl gar nicht mehr aufmachen trotz diverser staatlicher Hilfen die vollmundig versprochen wurden.

Aktuell koennen wir das hier nur Aussitzen und fuer eine taegliche Aktivitaet sowie absolut lebenswichtige Aktionen (Einkaufen, Doc, etc.) die Huette verlassen. Mal sehen wann mich der erste Polizist anhaelt und nach ellenlanger Erklaerung glaubt, dass eine sportliche Aktivitaet aufm Rad auch mal 8 Stunden dauern kann an Wochenenden hehehe.

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