Helm ahoi !

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Habschned239.1 Kilometer mehr oder weniger Gegenwind sind abgehakt auf meiner Liste, und die erste (und mit hoher Wahrscheinlichkeit letzte) Teilnahme an der Fietselfstedentocht ist Geschichte. Ich probier mich mal an einer kleinen Zusammenfassung mit nem Bild hier und nem Video dort, könnte also viel Text über viele Seiten werden. Mit den Worten des Kaisers ausgedrückt: “Schaun mer mal”. Die Videos rendern fröhlich vor sich hin, wird noch ein paar Stündchen dauern bis die durch sind und so ist genug Zeit zum Tippen.

Der Tag vor der Tocht

Am Pfingstsonntag wurde der Deuschen Bahn die Ehre zu Teil, den Pinguin samt Rad (und einem Rudel älterer Herren mit Fahrrad und Gepäck) von Dortmund nach Sneek zu befördern. Klappte auch alles reibungslos, zumindest bis Enschede. Da stand ich mal wieder vor diesen befremdlichen “Gates”, wo alle fröhlich ihre Tickets vor die Scanner hielten und durch marschierten. Kein QR Code zur Hand, also schiebend ab in die Bahnhofshalle zur holländischen Reiseleitung an den Schalter marschiert und das Problem geschildert. Seitdem bin ich jetzt stolzer Besitzer einer Key Card, die mir die Gates öffnet. Anschlusszug wurde trotz des Umweges noch souverän erreicht und weiter ging es über Zwolle und Leeuwarden nach Sneek.

Nachdem sich das Fahrradtetris im Zugabteil so nach und nach auflöste, konnte ich in Sneek bequem aus dem Zug klettern. Die ersten Gedanken waren “Alter, wenn jemand mal von einem Nirgendwo spricht dann meint der bestimmt diesesn Bahnhof”. Aber gut, ich musste ja nicht dort verweilen und so ging es direkt in den Sattel zum B&B in Pingjum. Natürlich mit ordentlich sich auf mich zu bewegender Luft, gab mir gleich einen Vorgeschmack wie schön die Tour am Montag doch werden wird bei dem Wind. Bolsward kurz durchfahren, überall schon Fahnen an den Buden die darauf hinwiesen dass doch überraschenderweise am Pfingstmontag mal wieder die Tocht stattfindet.

Zwischen Sneek, Bolsward und Pingjum ging es meist über sehr sehr sehr flache und freie Flächen und der Wind lachte schallend auf als er mich entdeckte. Da…daaaaa fährt der Habschned, gleich mal noch 2km/h druff packen damit die Sau auch schön strampeln muss. Pingjum wurde dann nach ner guten Stunde erreicht und ich bin eiskalt zweimal am B&B vorbei geradelt ohne es zu erkennen. Ein Schildchen wäre schön gewesen, oder ne Hausnummer…wäre auch gegangen. Beim dritten Anlauf hat’s aber geklappt, bin dann auch angenehm überrascht gewesen von der Location. Ein Mix aus Campingplatz und B&B mit zwei kleinen Appartments (und mit klein mein ich klein…also nicht niedlich klein…sondern verdammt klein). Als “Bonus” lag das B&B nicht allzuweit weg von der Küste. Hab mich nachmittag noch in den Sattel geworfen und bin die 11 Minuten zur See gegurkt. Weltklasse, zeigte sich sofort wieder was die Nähe zum Meer für eine innere Ruhe in mir schafft. Das sind so Momente wo ich die Rückkehr nach Deutschland in Frage stelle, und mir klar wird dass ich über kurz oder lang wieder weg muss…

Ausgiebig  abgespannt ging es wieder in die Mietkeminate wo Gerätschaften für den nächsten Tag geladen und bereit gelegt wurden. Kamera, Powerbank und Navi wurden noch in der Dämmerung am Drahtesel verbaut, da die Lust dass morgens um kurz nach 4 im Dunklen zu machen doch recht überschaubar war. Zum Abschluss des Tages den Blick noch ins Nichts schweifen lassen. Da war aber auch gar nichts in der Nähe…Isolationshaft in freier Natur könnte man meinen. Wollte eigentlich noch was futtern, aber die nächste Pizzeria im Umkreis von 3km war mitten in Pingjum und da standen Leute mit Wartemarken vor dem Laden Schlange. Gnadenlos voll, und zwei Stunden auf ne Pizza warten waren nicht drin. Also Bettruhe befohlen gegen 20 Uhr, schließlich sollte ich um 5:24 starten..und ein wenig Schlaf hilft immer. Zum B&B selbst hab ich später noch was zu schreiben, so schön die Lage auch war aber ein wenig Kritik muss diesmal sein.

Mit Docht zur Tocht

Pfingstmontag, einer der Tage auf den sich der Großteil der arbeitenden Bevölkerung freut. Morgens schön ausschlafen, wach werden, auf die Uhr schauen und noch ne Stunde ratzen. Was sind Feiertage doch schön. Langsam zum Bäcker schleichen, Brötchen holen und gemütlich frühstücken, danach den lieben Gott nen guten Mann sein lassen. Dämlicherweise stand ich um kurz nach 5 schon in einem Pulk von radelwütigen Gleichgesinnten, die anstatt der besagten Brötchen es vorziehen, sich am Feiertag einen Pavianarsch zu fahren. In Bolsward Richtung Start der Tocht herrschte zähfließender Verkehr, und man bekommt gleich ein heimisches Gefühl. Fühlte mich direkt wie Freitag nachmittag auf der A44 in Richtung Heimat. Schön “Stop and Go” im Metertakt. Gelegentlich wurde mal aufgerückt, verzweifelte Seelen versuchten sich rechts und links der Schlangen samt Zweirad vorbei zu drängeln…muss ich das haben? Ich weiss nicht.

Nach gefühlten drei Monden ging es dann auch langsam in Richtung Start, es gab noch ne kleine Stärkung für den Weg, nen Stempel und was gerade noch eine schiebende Masse war wurde recht schnell zum radelnden Mob. Die ersten Kilometer war das alles sehr ruckelig irgendwie, irgendwann so ab Kilometer 5 bildeten sich dann aber erste Gruppen und Lücken und ich konnte mir Gruppen mit passendem Speed suchen und mich dran hängen. Hier und da wurde dann die Gruppe gewechselt, und so ging es die nächsten 230km weiter. Gruppen wurden nach Geschwindigkeit selektiert, hin und wieder mal abreissen lassen und in eine langsamere Gruppe eingegliedert. Kilometer für Kilometer fiel und der Wind war gar ned so das Problem…da überwiegend in Windrichtung gefahren wurde.

In Holwerd, mit 66km auf dem Tacho, gab es eine kleine Stärkung von der ich mich finanziell kaum erholen werde. Rechts ran, ab in die Scheune und ein Stück Apfelkuchen zweifelhafter Herkunft, einen Becher Kaffee und zwei Buddeln isotonischer Getränke a 0,3l geordert. Der Preis den die Dame hinter dem morschen Tisch von sich gab hatte es in sich. Stramme 8€ standen im Raum. Kurz geschaut ob entweder die Gabel aus Gold oder der Apfelkuchen mit Blattgold verziert war…weder noch. Aber gut, ist ja nur einmal im Jahr. Den Schein mit Tränen in den Augen hingehalten, Wechselgeld kassiert und dann Pause gemacht. Ich wusste ja, dass ein Trupp aus dem Radforum ebenfalls unterwegs war und wollte dann in Holwerd warten. Start war eine Gruppe später, sollte ned lange dauern und da liefen sie auch ein. Nach noch mehr Kuchen und Kaffee ging es in einer Gruppe weiter…mal mehr Gruppe, mal weniger Gruppe.

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4 Comments

  1. “Alter, wenn jemand mal von einem Nirgendwo spricht dann meint der bestimmt diesesn Bahnhof”
    Bei diesem Satz musste ich erstmal herzhaft lachen :D Dabei ist die Innenstadt gerade mal 5 Minuten entfernt. Aber so geht’s da wohl jedem, der das erste mal vor Ort ist.

    Glückwunsch, dass du es trotz zwicken im Knie durchgezogen hast ?

  2. Naja, der Bahnhof machte nen recht verlorenen Eindruck. Besonders wenn du da 45 Minuten auf nen Zug wartest. So wahnsinnig viel Unterhaltung ist da ned wirklich, geschweige denn nen Cafe wo du dich reinhocken kannst. Da hab ich mir Leeuwarden doch gelobt hehe. Kippen, Kaffe, BK…alles in Sichtweite :D

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