Erste Rollversuche in Belfast

Erste Kilometer auf britischem Boden

Die ersten 20 Kilometer auf dem Asphalt Nordirlands sind abgehakt. Nachdem ich ja kuerzlich das erste Bike auf die Insel geholt habe, ging es gestern auf den ersten Testritt auf britischem Grund. Bike stand bereits fein saeuberlich montiert bei uns im Flur und wartete nur so darauf, dass die Raeder in Bewegung kommen. Wetter passte gestern nachmittag, nicht zu windig und nicht zu feucht, also den Bock mal aus dem Flur in den Sonnenschein geschoben, die Radklamotten uebergeworfen und den Garmin an die Halterung gepflanzt und ab ging es in Richtung Lagan. Geplant waren rund 10 Kilometer, geworden sind es dann am Ende schlappe 9.88 Kilometer. Also dicht am Ziel vorbei hehe. Andererseits sollte es ja auch nur ne Art “Einfuehrungsrunde” werden um zu sehen ob alles richtig montiert wurde und das Rad nicht sofort den Loeffel wirft. Laengere Touren stehen an meinen freien Tagen in dieser Woche an. Unter anderem Bangor, Belfast Castle und Carrickfergus werden Donnerstag und Freitag beradelt. Dem scharfen Auge wird, sofern aufmerksam gelesen, die Diskrepanz zwischen den “ersten 20 Kilometern” und den hier erwaehnten “9.88 Kilometern” aufgefallen sein. Dazu gleich mehr, jetzt aber erstmal die ersten Eindruecke der knapp 10 Kilometer im Verkehr von Belfast.

Der erste Eindruck

“Ui, das fuehlt sich komisch an…war das echt so oder hab ich was falsch eingestellt?”…das war der erste Gedanke als ich samt Rad die ersten Meter auf dem Asphalt von Belfast unterwegs war. Nach gut 3 Monaten ohne Rad unterm Hintern war die Sitzposition, obwohl Sattelhoehe genau gleich eingestellt, doch irgendwie ungewohnt und so ganz anders als ich sie in Erinnerung hatte. Sass fuer mein Empfinden ziemlich hoch, hab dann auch gleich mal die Markierung auf der Sattelstuetze kontrolliert, aber da passte alles. Hat mich mein Hirn also angelogen. Genau in der Position hatte ich ja vorher Tausende von Kilometern in den Asphalt geschrubbt. Auch nach den ersten 10 Kilometern war es noch irgendwie ungewohnt, aber ich schiebe das mal auf den dreimonatigen Entzug.

Die naechste Nummer war das Sitzfleisch. Nach den beiden Runden gestern tat mir, man mag es kaum glauben, der Arsch weh. Selber Sattel, selbe Radhose, selbe Sitzposition. Wo ich vorher 150km beschwerdefrei fahren konnte, brannten mir nun die Arschbacken. Erstaunlich, was eine dreimonatige Pause vom Rad so anrichten kann. Mal sehen wie sich das Sitzfleisch bei den laengeren Touren am Donnerstag und Freitag anfuehlt. Werd dann wohl Samstag und Sonntag breitbeinig zur Arbeit laufen muessen hehehe. Immerhin gab es kein Muskelkater, die Beine scheinen also wohl noch zu funktionieren. Insgesamt war der erste Eindruck auf den 10 Kilometern befriedigend, bis auf eine Ausnahme die ich noch aendern muss. Unterm Strich scheint aber alles soweit zu passen, lediglich mein “Ueberlebenspaket” muss jetzt noch zusammengestellt werden. Mulmiges Gefuehl, so ganz ohne Flicken und Ersatzschlauch. Da wird ein spontaner Besuch beim Zweiradhaendler vor Ort faellig werden, bevor ich Donnerstag morgen aufbreche und Kilometer mache. 

Als ich gemuetlich am Fluss entlang strampelte vernahmen meine Lauschlappen ein schleifendes Geraeusche. Erster Reflex war der Blick auf den Antrieb, aber da lief alles reibungslos (jetzt nicht unbedingt physikalisch gesehen, sondern eher funktionell). Das Augen blieb dann am Schmutzfaenger oberhalb des Hinterrades haengen und erspaehte erstaunliches. Das Plastikding hing quasi auf dem Reifen und schleifte an den Stollen. Hat der Reifen doch tatsaechlich ein wenig von dem Schmutzfaenger abgeschabt hehe. Da werd ich wohl nochmal nachjustieren muessen. Ansonsten funktionierte von der Technik her soweit alles wie ich es gewohnt war. Die DI2 schaltete problemlos, das war eigentlich meine groesste Angst da teuer wie Mist. Bremsen, Raeder, Luftdruck alles top…doch halt….Der Zug fuer den Remote Lockout der Gabel muss auch noch erneuert werden. Bzw nicht der Zug, sondern die Fuehrung. Muss ich mal beim lokalen Radhaendler vorsprechen. Aber abgesehen vom Schmutzfaenger und dem Zug/der Fuehrung scheint alles normal zu funktionieren.

Der Verkehr

Ein weiteres Novum, zumindest was das Radeln angeht, ist fuer mich der Linksverkehr. Beim ersten Ritt…leck mich am Arsch war ich da vorsichtig hehe. Schoen die Bus Lane genommen, mit Radwegen auf den Strassen ist es hier ned ganz so weit her, zumindest war das mein erster Eindruck in der Naehe des Stadtzentrums. Aber immerhin sind die Autofahrer hier recht freundlich und ueberholen mit grossem Abstand. Viele Verkehrsschilder, keine Ahnung wie die genauen Regeln hier fuer Radler sind…da besteht Nachholbedarf. Mal exzessiv googlen um zu sehen was man denn so regeltechnisch hier zu beachten hat. Nicht dasss sich da einer dran halten wuerde, wenn ich mir die Radler hier so anschaue, aber man weiss ja nie. Zumindest tagsueber hatte ich ein halbwegs sicheres Gefuehl im Verkehr. Anders war es abends, auf meiner kleinen “Notfalltour”.

Der Notfall

Oder wie aus den ersten 10 Kilometern in Belfast gleich mal 20 Kilometer wurden. Geplant war fuer die “Jungfernfahrt” ja eigentlich nur die “kleine” Runde von rund 10 Kilometern. Danach wurde sich wieder daheim eingefunden, wo ein gemuetlicher Sonntag abend geplant war. Freundin noelte schon den ganzen Tag rum, hatte Fieber und Aua aber wollte partout nicht den Notfalldienst anrufen. Irgendwann hatte ich sie dann soweit, der Anruf wurde erledigt und der GP verschrieb ihr irgenwas mit Flux…und Penicillin. Mangels Verstaendlichkeit des Dialekts hatte ich den Landarzt dann am Ohr um zu erfahren, wohin es mich denn abends gegen kurz nach 18 Uhr per Rad noch verschlagen wuerde. Adressen wurden genannt, Wegbeschreibungen gemacht, und schlussendlich hab ich die Adresse dann in den Edge gehackt und mir die Route berechnen lassen. Keine schoene Route, sondern mehr so Hauptverkehrsstrasse…aber musste ja gemacht werden.

Die Reise ging ins Knockbreda Wellbeing Center in Castlereagh. Nicht so weit entfernt, aber dunkel…und fremdes Terrain was den Strassenverkehr angeht hehe. Egal, aufs Rad, Licht an, Edge an den Lenker gepappt und los ging es ueber und durch dicht befahrene Strassen. Erstaunlich was an einem Sonntag abend so alles auf den Strassen los ist. Entspannenderweise ging es auf dem Hinweg nach Castlereagh ueberwiegend bergauf, warum auch nicht! Immerhin gestaltete sich das Finden des Wellbeing Centers relativ einfach, die Medikamente lagen an der Reception bereit und ich brauchte die nur noch in den Rucksack fegen. Wieder aufs Rad, wieder durch dunkle Hauptstrassen mit dichtem Verkehr und Doppeldecker-Bussen die beim Schulterblick bedrohlich an Groesse gewannen. Nach knapp 11 Kilometern war die Nummer dann durch, und die erste Abendfahrt in Belfast war somit Geschichte.

Unterm Strich…

War es, trotz aller Umstaende, geil wieder auf dem Sattel zu sitzen und die ersten Kilometer im neuen Zuhause zu fahren. Konditionell seh ich wohl Donnerstag und Freitag was die 3 Monate Abstinenz vom Rad so angerichtet haben. Geplant sind etwa 50-70 Kilometer pro Tag, um mich mal wieder langsam einzufahren. Paar Bilder wird es von den Touren auch geben, also Augen schoen aufhalten. Weitere wichtige Erkenntnis ist, dass ich wie oben gesagt, direkt mal den Radhaendler besuche und mich mit Schlaeuchen und Flicken eindecke. Auch neue Trinkflaschen waeren  nett. Lag doch verdaechtig viel Glas rum auf den Wegen gestern..aber ansonsten….war das geil hehehe.

 

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