Ein fast normaler Freitag

Habschned…aber eben nur fast. Ging schon heute morgen vor dem eigentlichen Start zum Palast der Ekstase los mit den kuriosen Nummern. Eigentlich eher mit dem ersten Ärgernis…und dringendem Aufräumbedarf was das Cockpit vom C3 betrifft. Morgens gegen 6 Uhr, eine Helligkeit, die man bestenfalls als “schwarzes Loch” beschreiben kann,  und ich schwing mich so auf’s Rad und schau so in die schwarze Suppe. Du siehst verdammt wenig…also rein und die Funzel von BUMM ans Rad geklöppelt. So war zumindest der Plan…war aber nix mit ranklöppeln.

Rechts der Halter für den Edge im Weg, links der Halter für die Virb. Und die IQ Speed Premium ist nun auch keine kleine, dezente Lampe…mehr so der Typ Flutlicht mit entsprechend opulentem Gehäuse. Half alles nix. Hätte die Lampe in Vaseline tunken können, die wär nicht zwischen Vorbau und einem der beiden Halter geflutscht. Also den Flakscheinwerfer wieder in die Kiste gepackt und die Steckfunzel von Decathlon an den Lenker geschnallt. Das Dingen heisst zwar irgendwas mit Lampe, aber Licht am Rad ist anders. Für den Weg zur Arbeit hat’s gereicht, aber den radel ich mittlerweile ja auch blind und nach Gehör. 

Unterm Strich muss das Cockpit wohl ein wenig geändert werden. Die Halterung für den Edge rechts wird ersetzt durch eine Vorbauhalterung von K-Edge, dann wander die Halterung für die Kamera rechts rüber und links ist dann wieder Platz für den Leuchtturm von BUMM. Damit wäre das abgehakt, muss die Halterung die Tage mal bestellen. Kommen wir zu Merkwürdigkeit #2.

Kaum ist’s draussen morgens dunkel, triffst du vermehrt auf rollende Weihnachtsbäume. Die ersten Exemplare fand ich heute morgen bereits im Scheinwerferlicht diverser Autos und auch mein Teelicht am Lenker sorgte für gleißendes Licht vor mir. Meine Fresse…ich kann ja verstehen, dass man sich als Radler im Dunklen einen feuchten Fleck in die Hose macht und versucht, diesen durch die exzessive Verwendung von reflektierendem Material so klein wie möglich zu halten. Aber die Gestalt heute morgen auf dem Rad…ich hätte ja gern nen Foto gemacht, aber wenn der in dem Moment wo ich den Auslöser drücke von einem Scheinwerfer erfasst wird, dann gibt’s als Resultat ein komplett weisses Bild. Warnweste, Rucksack mit gefühlten 8 Reflexstreifen, reflektierende Streifen an Beinen und Armen. Zwei rote Lichter hinten, ein Licht vorn und noch ne Helmlampe. Verwunderlich, dass nicht ein fehlgeleiteter Pilot anstelle des Flughafens in HoWi die Massener Straße aufgrund der Befeuerung zur Landung genutzt hat. Was die Sichtbarkeit betrifft war der Kerl ein leuchtendes Beispiel.

Ich weiss nicht, man kann mit diesem Reflektier-Wahn vielleicht auch ein wenig über das Ziel hinaus schiessen. Wenn ich so die Anzahl meiner reflektierenden Elemente beim Radfahren zähle, dann bin ich schnell fertig. Da reflektiert nüscht, aber auch gar nüscht. Noch nicht mal in den Speichen reflektiert es. Und was soll ich sagen? Nach fast 22.000 Kilometern hab ich auch nicht den Drang urplötzlich Klamotten, Rad und Rucksack mit irgendwelchen dubiosen Reflektionsfolien zu überziehen. Anständiges Licht hinten, anständiges Licht vorn (nach dem Umbau wieder hehe) und eine Portion gesunder Verstand, Mitdenken und Vorraussicht haben mich auf den ganzen Kilometern noch nie nach mehr Reflektionsfläche lechzen lassen. Des Spaßes wegen..aber auch nur vielleicht…könnt ich mir ja aus reflektierenden Folien einen ausgestreckten Mittelfinger schneidern. Dem könnte ich was abgewinnen…wenn der Autofahrer so aus der Ferne im Dunklen einen gestreckten Mittelfinger langsam immer größer werden sieht. Abgesehen davon bleibt’s auch diesen Winter weitestgehend reflektionsfrei.

Und dann war da noch dieser Strolch, der jeden gottverdammten Morgen sein Rad die Wasserstrasse hoch schiebt. Warum auch immer, so wüst ist die Steigung nicht als dass man da in Schweiss ausbrechen würde. Aber er schiebt…und schiebt..und schiebt. Heute morgen war ich ein wenig später dran, der Knecht war bereits oben an der alten B1 angekommen und über die Kreuzung in den Kessebürener Weg geschlichen. Die erste Frage, die sich mir stellte war: “Warum schiebt der Depp immer noch?”. Egal, langsam rangepirscht und mal dezent geklingelt, da der Feldweg doch recht kuschelig ist und man bei zwei Rädern nebeneinander schon diszipliniert fahren muss. Keine Reaktion auf mein Klingeln. Also nochmal geklingelt. Wieder nix. Wollte gerade ein drittes Mal klingeln und mit der anderen Hand schon den Knüppel ausm Sack holen…da bleibt der Depp stehen und nestelt irgendwas an seiner Jacke.

Kurzerhand links ausgeschert, den Rasenstreifen rasiert und im Stechschritt an ihm vorbei. Aus den Augenwinkeln konnten Kopfhörer in beiden Ohren erspäht werden, also hat der Knaller das Klingel nicht gehört während er vermutlich irgendwelchem elektronischen Gestampfe der übelsten Machart fröhnte. Solchen Leuten müsstest du legal aufs Maul hauen können. Ich fahr ja auch mit Musik im Ohr, allerdings nur in einem. Das andere gehört dem Verkehr und dem Drumherum, damit ich auch schön mitkriege wenn von hinten mal wieder ein Rennrad-Express an mir vorbei kachelt. Anyway, das war das letzte Hindernis auf dem Weg zur Arbeit. Der restliche Tag lief ab wie immer. Der ganz normale Wahnsinn halt hehe.

Und jetzt…wird sich auf eine kurze Schicht am Samstag vorbereitet.

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