Berlet – Der ganz normale Wahnsinn???

HabschnedSeit heute krieg ich bei dem Satz “Ich hole den Kollegen, der kann Sie besser beraten als ich!” Schweissausbrüche und das Verlangen nach einer mittelgroßen Streitaxt. Ich hol dann mal kurz aus…mit Worten anstelle der Axt. Die Aktion bei Berlet zeigt mir wieder dass man manchmal besser doch online kauft.

Ich hatte die Tage bereits erwähnt, dass ich nach einem deutlich portableren Gerät zum Fotografieren auf Radtouren suche. Heute morgen beim Stöbern auf der Webseite von Berlet dann fündig geworden, scheinbar brauchbares Gerät für schmales Geld gesehen. Und von da an nahm das Unheil seinen Lauf. Öffnungszeit von Berlet in Unna…10 Uhr morgens. Kacke, da Schichtbeginn um 10:15. Also direkt zur Arbeit geradelt und mir gedacht ich rufe einfach mal im Markt an und frage, ob das Gerät denn vorrätig ist.

Gesagt getan…dumme Idee. Ich weiss nicht wie oft ich die Nummer von Berlet heute gewählt habe, jedenfalls bildeten sich gegen 16:00 Uhr erste Blasen und Schwielen an den Händen. Tafper weiter versucht jemanden ans Telefon zu bekommen, aber das Ergebnis war immer dasselbe. Gewählt, Freizeichen…tut..tut..tut..tut. Da hatte wer keinen Bock ans Telefon zu gehen, oder Kunden haben den Laden gestürmt. Egal auch, gegen 17 Uhr habsch dann aufgegeben und mich damit angefreundet, dass ich auf gut Glück mal bei Berlet reinschneie.

Die Arbeit ne Viertelstunde früher verlassen, auch keine schlechte Sache. Hätte bis 19 Uhr arbeiten müssen, Berlet schliesst die Pforten zur Kundenhölle aber schon um 19:30. Wäre ne kleinere Hechelei geworden, die gewonnenen 15 Minuten passten mir ganz gut ins Konzept. Rad vor dem Laden angeleint, rein zu Berlet und eine Verkaufsdame die sich hinterm Pfeiler vor Kunden versteckt ausfindig gemacht. Ich sag “Gute Frau, wo verstecken Sie denn hier Kameras und ähnliches Geraffel?“. Sie antwortet mit “Stückchen weiter, ich bring Sie hin und hole den Kollegen der sie besser beraten kann als ich.” Ich lehnte das Angebot ab, und wollte eigentlich nur wissen ob die gewünschte Kamera vorrätig ist. Die Gute liess sich aber nicht von Ihrem Plan abbringen, und zitierte eine erm…erm..verdammt…erm….Fachkraft? herbei mit dem Satz “Der kann Sie besser beraten, da bekommen sie bestimmt was Sie wollen.

Tja, was soll ich sagen? Kurz gewartet und da kam aus dem Nichts auch schon der Mitarbeiter, den ich von heute an nur noch “Mumpitzmann” nennen werde, wenn ich den Laden nochmals betrete. Mumpitzmann sagte Hallo, Begrüßungen wurden ausgetauscht und ich fragte nach dem gewünschten Kameramodell. Mumpitzmann tat mystisch, wiederholte den Modellnamen der Kamera scheinbar in der Hoffnung sie herbei zu beschwören und siehe da…plopp lagen da mehrere Exemplare im Regal. Mumpitzmann griff sich eins der armen Schächtelchen die im Regal darbten und schlich bedeutend in Richtung eines Pults an dem er fachmännisch die Barcodes auf dem Karton scannte.

Was ich auf seiner Anzeige sah, versetzte mich in Aufruhr. Der Preis laut System 219€, laut Webseite ganze 197€. Meinen Hinweis auf den unterschiedlichen Preis im Onlineauftritt von Berlet ignorierte er gekonnt und hämmerte nach dem Scan weiter auf die geschundene Tastatur ein als, wie aus dem Nichts, ein Blatt Papier aus dem Drucker surrte welches er mir samt Kamera gab und mich an die Kasse verwiese. Ich, leicht angepisst ob der Ignoranz von Mumpitzmann, zur Kasse und die Kassenwärtin auf den unterschiedlichen Preis online angesprochen. Madame Kasse griff kurz zum Telefon, schilderte einer mir fremden Stimme den Sachverhalt und…wie ein Flaschengeist tauchte hinter mir ein weiterer Mitarbeiter auf der sich der Sache annehmen wollte.

Mit geschwollener Brust griff er den Zettel, den Mumpitzmann mühevoll aus dem Drucker kurbelte, murmelte ein “Ich passe das eben an” in meine Richtung und entschwand schlurfenden Schrittes. Nur wenige Minuten später, der Ladenschluss nahte bereits, war aus der einst geschwollenen Brust ein Häufchen krummes Elend geworden und resignierend sprach er “Das kann ich hier nicht mehr ändern, dass mus Kollege Mumpitzmann mit seinem Login machen.“. Undweg war er, auf der Suche nach Mumpitzmann der sich wieder irgendwo versteckt hat..ein Leben als Superheld ist halt nicht leicht. Gefühlte 12 Jahre später kam der einst geschwollene Recke wieder halbwegs aufrecht in Richtung Kasse und präsentierte mir die geänderte Rechnung für die Kamera. Daraufhin wechselten diverse Euronen den Besitzer, ich bekam die Kamera für den Preis der online gelistet war und Mumpitzmann, Häuptling Schwellbrust und Madame Cash Register hatten den Feierabend auch schon in Sichtweite.

Meine Fresse was war ich froh als ich aus dem Laden wieder draussen war mit Kamera im Sack. Ich sag dem Knaller in der Fotoabteilung noch dass die Kamera nen anderen Preis hat, er meint das wäre nur online und druckt mir den Zettel für die Kasse. Hätte er sich die Mühe gemacht mal eben nachzufragen wäre allen Beteiligten viel Arbeit und Ärgernis erspart geblieben. Aber nein, Mumpitzmann war wohl auch der, der tagsüber nicht ans Telefon ging. Egal auch, jedenfalls ist jetzt ne kleine Kamera für die Radtour zwischendurch am Mann. Akku lädt, erste Einstellungen sind gemacht und nun gibt’s auch wieder häufiger Bilder wenn ich mit dem Rad irgendwo rumrödel…

2 Comments

  1. Ich wundere mich ja doch ein wenig, mein lieber Kumpan des rotierenden Pneumants, denn manchmal ist es besser online zu bestellen & testen als direkt vor Ort zu kaufen, wegen des Rückgaberechtes.

    • Dieses war einer der wenigen Fälle, wo es das begehrte Elektronikzeuchs mal günstiger als im Onlinehandel gab. Die Händler die feixend hinter ihren Rechnern auf eingehende Bestellungen warten, verlangten um die 30 Euro mehr als Berlet.

      Dann dazu addieren, dass ich sowas meist gern “sofort” haben möchte und Berlet extrem günstig auf meinem Arbeitsweg liegt…schwupps hatte ich mit Mumpitzmann zu kämpfen :D

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  1. Eisgekühlte Bummelrunde, Bummelrunde eisgekühlt... | Habschned

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